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Die Philosophie des yogaworkshop.org
Der klassische Yoga in seiner Ganzheit bedeutet auch die Vermittlung der dahinterstehenden Ethik und der Philosophie. Asana ist nur eine Teil des Achtfachen Pfades. Veränderungen in der Lebenspraxis und bei vielen Problemen setzen einen Wechsel der inneren Einstellung voraus. Dies wird durch philosophische Sichtweisen erleichtert. Wir beschäftigen uns mit den Yogasutren des Patanjali sowie den Aussagen aus Jnana -, Bhakti - und Karmayoga. Breiten Raum wird der Erfahrungsaustausch sowie die Umsetzung des Erarbeiteten in den Alltag unserer Kursteilnehmer sein.
"Yoga ist ein vollkommenes System, um Körper, Denken und Seele zu Harmonie und Kraft zu entwickeln. Für uns ist es nicht wichtig, komplizierte Übungen zu vermitteln, sondern sich alle Bereiche des Lebens anzuschauen, um es mit Freude und Energie bewältigen zu können. Dabei ist die Reflexion unserer Einstellungen und der philosophische Hintergrund genauso wichtig, wie die Arbeit mit Körper und Atem." |
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Shri Yogendra, Yoga: ein kurzer Überblick
Das kulturelle Erbe
Seit undenklichen Zeiten gilt Yoga in der Kulturgeschichte Indiens unbestritten als die einzige praktische Lehre zu einer umfassenden körperlichen, geistigen, moralischen und spirituellen Erziehung. Durch ein ausgearbeitetes System praktischer Übungen (kriya -yoga) sublimiert er den Menschen zum Göttlichen. Seine Methoden zielen nicht nur darauf, dass Bewusste, sondern auch Schichten des Unterbewussten zu erreichen. Seine Körperübungen, Hygiene und Selbsttherapie umfassende Technik führt zu blühender Gesundheit und hoher Lebenserwartung, seine psychosomatischen und geistigen Übungen gewöhnen an moralische und geistige Disziplin und seine psychische Erziehung gipfelt schließlich in dauerhaftem Glück und Frieden.
Was Yoga ist
In wenigen Worten ausgedrückt, ist der Yoga eine Lebenseinstellung, die körperliche, geistige, moralische und seelische Gesundheit schenkt und alles Unedle im Menschen zum Edlen sublimiert. Ein umfassendes, praktisches System der Selbsterziehung verhilft dazu, dieser großen Wissenschaft und Lebenskunst zu folgen. Die ineinander greifende Entwicklung von Körper, Geist und Psyche führt allmählich zu körperlichen Wohlbefinden, seelische Harmonie, moralischer Erhebung und wachsendem spirituellen Bewusstsein.
"Yama und Niyama". Eine der Grundvoraussetzungen im Yoga ist die Einhaltung eines ethischen Kodex, der so lange geübt wird, bis ein entsprechendes Verhalten schließlich selbstverständlich geworden ist. Der Yoga gibt hierfür überzeugende Gründe, auch die modernen Wissenschaften beweisen, dass sich ein ethisches Verhalten heilsam auf Körper und Psyche auswirkt. Dabei geht der Yoga jedoch schrittweise vor – von "anuvrata" (kleine Tugenden) zu "mahavrata" (große Tugenden)
Eine ständige Übung der beiden Tugenden – d.h. der Unterlassungen (yama) und Gebote (niyama) – wirkt sich jedoch mit der Zeit bei jedem bewusst und unbewusst aus.
"Asana" (Körperhaltungen) Gesundsein gilt im Yoga nicht nur als Voraussetzung für weitere Übungen, sonder als heilige Pflicht. Erreicht wird das durch ein System der Körpererziehung, dass unter anderem zu moralischer und geistiger Disziplin sowie zu psychischer Unabhängigkeit führt. Der physiologische Yoga hilft dem Schüler, gesund zu werden und zu bleiben und zwar durch ein ausgearbeitetes System der Körperkultur, das Hygiene, Diät und Maßnahmen zur Selbstimmunisierung mit einschließt.
Das methodische Studium des Yoga beginnt daher mit Körperübungen, rhythmischer Atmung und Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung und Selbsttherapie, zu Reinigung der Nerven und zur Körperbeherrschung, die insgesamt zu einer hohen Lebenserwartung führen. Der Stoffwechsel und die Ausscheidungstätigkeiten werden verbessert und es wird eine vollkommene Entspannung aller Organe in einem winterschlafähnlichen ("khecari") Zustand erreicht.
"Pranayama" (Kontrolle der Bio – Energie) Die Yoga-Körperkultur in Verbindung mit der Beherrschung der Atmung und des Nervensystems ermöglicht es einem Menschen, sein biologisches Leben zu lenken, indem er seine Bioenergie ("prana") zu erhalten und zu beherrschen lernt. Die von irregeleiteten Yoga – Hausierern zur Schau gestellten körperlichen Wundertaten zum Beispiel stellen sich gewollt oder ungewollt ganz von selber ein, wenn ein gewisser Grad der Lenkung der Bioenergie erreicht worden ist. Jemand, der "Pranayama" meistert, kann seinen Puls- und Herzschlag willentlich steuern, sich unempfindlich gegen Hitze und Kälte machen, immun gegen die Wirkung von Chemikalien, Durst, Hunger und Naturelement werden. Doch darf der ernsthafte Yoga-Schüler diese Fähigkeiten nicht willkürlich ausüben, da sie ihm dann zu inneren Hindernissen würden.
"Pratyahara" (Innehalten) nachdem die physiologischen Funktionen harmonisiert worden sind, überbrücken psychosomatische Übungen der Bereich zwischen Körper und Psyche. Sie zielen auf die Beherrschung der äußeren und inneren Sinne, die den Gleichmut und Seelenfrieden beeinflussen. Dies wird schrittweise durch psychosomatische Prozesse erreicht, um die Psyche willentlich von den Sinnesobjekten zu lösen. Die Übungen umfassen Entspannung, Zentralisierung, Visualisierung, Dissoziation, Introversion und ähnliche Vorgänge, die alle auf die Befreiung von sinnlichen, emotionalen, Umwelt bedingten und in jedem Individuum potentiell ruhenden Ablenkungen zielen.
Viele dieser Übungen zählen zum Hatha- und Raja-Yoga.
Auf dieser Stufe kultiviert der zukünftige Yogi durch Selbstsuggestion, Kontemplation der "yama" und "niyama" - Tugenden und der Gegensatzpaare ("dvandva") durch metaphysische Reflektionen und ähnliche Techniken des fortgeschritten Yoga eine Unabhängigkeit in seiner Lebenshaltung, die ihn über all die bedingten Reflexe, Hemmungen und Umwelt bedingten Einflüsse erhebt, die sonst die menschliche Natur charakterisieren. Die in ihm entstehende geistige Weite gibt seinem inneren Leben eine neue Richtung und schenkt ihm Klarheit und Ausgeglichenheit. Die Gesamtheit dieser Übungen nennt sich "pratyahara" oder Abstraktion und stellt eine Zwischenstufe zwischen dem äußeren (Hatha) – und dem Inneren (Raja ) - Yoga dar.
"Dharana" ( Konzentration) und "Dhyana" (Meditation) Nach und nach führten körperliche Gesundheit und Beherrschung der Sinne dazu, die menschliche Natur, d.h. die Psyche, zu läutern, denn der Mensch ist mehr als sein Körper und seine Sinne. Durch die Beherrschung der Sinne wird die der Psyche erreicht. Diese Stufe umfasst Methoden der reinen und angewandten Psychologie, Psychoanalyse, der geistigen Hygiene, Therapie und der psychischen Entfaltung und zielt darauf, schließlich alle bewussten und unterbewussten Potentiale zu erschließen, um so das Höchste zu erreichen. Die Konzentration ("dharana") wird durch verschiedenen psychosomatische Prozesse gefördert, bis sie durch Gewöhnung zu einer beständigen meditativen Haltung führt. Durch diese Technik, die wegen ihrer Feinheit keine festen Regeln besitzt, werden innere Kräfte kultiviert, die auf die höheren Bewusstseinsstufen ausstrahlen. Es hat sich gezeigt, dass auf dieser Stufe Telepathie, Television und ähnliche übernatürlichen Fähigkeiten auftreten, deren Ausübung aber vermieden werden muss, will man das Ziel des absoluten Bewusstseins ("kaivalya") erreichen.
"Samadhi" (Spirituelles Bewusstsein) Die letzte Stufe des Yoga ist ein Trance - Bewusstsein, in dem der Yogi von keinem körperlichen oder geistigen Leid mehr berührt wird. "Samadhi" ist als Zustand ununterbrochener Freude, ewigen Friedens, absoluten Bewusstseins und konkreter Selbstverwirklichung beschrieben worden. Als Folge der Erweckung des menschlichen Energiepotentials entstehen tiefe Intuition und andere transzendente Kräfte des Geistes und des Körpers: z.B werden die willentliche Unterbrechung aller Körperfunktionen und die Befreiung von den Gesetzen der Kausalität möglich.
Die Vorstufen des "samadhi" haben zu allem beigetragen, was an Kunst, Literatur, Wissenschaft und andern Handeln unsterblich geworden ist. Obwohl dieser Zustand des erhöhten Bewusstseins leichthin als Mystizismus bezeichnet wird, ist er – besonders im Yoga – kein Produkt der Zufalls oder einer überschwänglichen Emotionalität, sondern das Ergebnis systematischer Übungen. Nachdem alle Bewegungen der Psyche beherrscht und zur Ruhe gekommen und die angesammelten "Erinnerungspotentiale" ausgelöscht worden sind und selbst Allwissenheit und Allmacht nicht mehr als wünschenswert gelten, erreicht der Yogi den Endzustand des absoluten, reinen Bewusstseins, den Urzustand, über den hinaus es nicht mehr zu wissen oder anzustreben gibt.
Es zeigt sich also, dass der Yoga ein geschlossenes praktisches System der Selbsterziehung ist, die auf eine harmonische und ineinander greifende Entwicklung der Körpers, des Geistes und aller ruhenden psychischen Kräfte zielt. Nichts daran ist zweifelhaft oder Mystisch. Der Yoga ist im Gegenteil eine Wissenschaft vom Menschen, die sich auf unveränderbare Naturgesetze gründet und daher allen Untersuchungen und Tests der modernen Wissenschaft offen steht. Kurz gesagt: der Yoga ist Wissenschaft, Philosophie und Lebensform, dabei völlig undogmatisch, weil durch und durch auf Vernunft gegründet.
Vor allem ist er die einzige praktische, wissenschaftliche und allumfassende Kultur, der weder durch Geschlecht, Rasse, Nationalität noch Religion Grenzen gesetzt sind. Man kann Hindu, Christ, Mohammedaner, Russe oder Amerikaner, Sozialist oder Konservativer, Theosoph oder Freimaurer oder was immer bleiben und trotzdem Yoga praktizieren und Gewinn daraus ziehen. Niemand braucht seine Überzeugungen, seine Religion oder sein kulturelles Erbe dafür aufzugeben.
Auch lässt sich die Yoga-Technik von Kranken und Gesunden, Intelligenten und Unwissenden, Gläubigen und Ungläubigen anwenden. Jeder kann unabhängig von seinen Lebensumständen sofort damit beginnen, denn der Yoga ist universal anwendbar und allumfassend.
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